Bildnerische Erziehung 4b 08/09

Porträt
Selbstbildnis – ein Ressort das seit der Zeit der Renaissance so gut wie alle namhaften Künstler auf irgendeine Weise beschäftigt hat, war das Hauptthema der 4b. Sie hat sich im Laufe des vergangenen Jahres mit einer Bandbreite an Selbstdarstellungsmöglichkeiten eines menschlichen Individuums auseinandergesetzt. Anfangs experimentierten wir mit den Sinnesübungen nach Gert Selle. Wir ertasteten die Topografie unseres Gesichts mit einer Hand und übersetzten das Erfühlte mit der anderen Hand auf das Papier bzw. auf eine Tonplatte. Ein kurzer Exkurs zum Relief brachte uns ein Tympanonfeld näher,  in dem Christus als Pantokrator dargestellt war. Wir beschäftigten uns hierbei nicht mit der optisch korrekten Darstellung der Gesichtsteile, sondern mit der Übertragung des Gefühlten auf das Medium.  Um Vergleiche und Ideen von Vorbildern schaffen zu können unterhielten wir uns in einigen Theorieeinheiten über die unterschiedlichen Möglichkeiten und die Geschichte der Selbstdarstellung.
Geschichtlich beschäftigten wir uns mit einem sehr frühen Selbstbildnis von Matthäus Paris (1200-1259). Albrecht Dürer, Sandro Botticelli, Michelangelo Meresi da Caravaggio, Rembrandt, einem melancholischen Werk von Artemisia Gentileschi, über Casper David Friedrich und Arnulf Böcklin zu  Werken von Egon Schiele und den fotorealistischen Porträts von Chuck Close.
Mit dem erworbenen Wissen und einigen Spiegeln begannen wir mit den Selbstporträts. Die Anwendung des Hell-Dunkel-Kontrastes und die daraus entstehende Plastizität waren unsere Hauptthemen. Wir diskutierten auch ein manieristisches Werk von El Greco, in dem starke Hell-Dunkel-Kontraste vorkommen.
Im Zuge der BOBI-Woche und der Buch-Ausstellung verwendeten wir einige Einheiten für die Plakatgestaltungen. Besonders informativ war hierbei die Diskussion über verschiedene Marketing-Strategien, die bekannte Firmen anwenden.
Um wieder zum Hauptthema zurückzukehren stellten wir uns einer, für die begrenzten Möglichkeiten im Unterrichtsrahmen, besonders riskanten Herausforderung einen Kopf aus Ton zu gestalten, der, sitzend  auf einem Sockel, verziert mit Reliefs oder offenen Hinterköpfen in denen die Gegenstände und Verstrickungen, die einen beim Denken beschäftigen oder belastend zu Aufregung und kaum künstlerisch fassbarer Komplexität und Ausdehnung des Geistes führen, für alle lehrreich war. Davor musste sich zuerst jeder mit der eigenen Identität und dem eigenen Denken auseinandersetzen; eine Aufgabe die durchaus zum Nachdenken über Allgemeines und Eigenes anregte bzw. aufforderte und zu sehr interessanten Ergebnissen führte.
Die Ikone war unser nächstes Thema. Nachdem wir uns ausführlich über das ursprüngliche Ikonenbild als Tafelbild mit sakralem Thema, das von Gläubigen als heiliges Objekt verehrt wird und mit teuren und aufwendigen Gestaltungsmethoden hergestellt wird, unterhalten hatten, machten wir uns an die Arbeit an einer modernen Ikone, für die wir ein Vorbild unserer Zeit einsetzten. Wir setzten das Thema größtenteils mit Acrylfarben um. der Stil der Abbildung war jedoch jedem selbst überlassen.
Als letztes Werk zu unserem Jahresthema, dem Selbstbildnis, sahen wir uns zum Einstieg surreale Landschaften und Bilder – unter anderem von Max Ernst oder Salvador Dali an und besprachen ausführlich die Darstellungstechniken Décalcomanie, die wir in der vergangenen Einheit praktisch erprobt hatten, die Frottage, Grattage und Collage. Diese Techniken verwendeten wir auch beim Darstellen der eigenen surrealistischen „Seelenlandschaft“, bei der wir unsere Persönlichkeit in Form einer surrealistischen Landschaft mit fiktiven Formen, Gestalten und Gebilden, die Träume, Gefühle und Gedanken repräsentierten, darzustellen versucht haben.

Alexander M. Hutterer, Nikolas Mitterlechner

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